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Wasserkunst/Wasserspiele

BIOGRAPHISCHES

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Wer ist Gerhard Zsambok?

GERHARD ZSAMBOK
Wasserkünstler

 

 

 

Unter dem Stichwort „Wasserkunst“ findet sich bei Google zuerst ein Wikipedia-Eintrag über Wasserhebewerke und Fontänenbrunnen der Barockzeit und gleich danach die homepage des Wasserkünstlers Gerhard Zsambok „Da gibt es auch einen Zusammenhang“, meint Zsambok.„In der Wasserkunst und in den Sammlungen der Wunderkammern dieser Zeit gehörten Naturwissenschaft und Technik zum Bereich der Kunst. Ein heutiger Ingenieur wäre damals Künstler gewesen. Einerseits stellte diese Ingenieurskunst den damals höchsten Stand der Technik dar, andererseits haben die Dinge der fürstlichen Sammlungen –Automatenuhren, mechanische „Lebewesen“, oder Pumpwerke zur Erzeugung von Wasserfontänen- keinerlei Nutzen produziert. Der ganze Aufwand, die ganze Technik nur, um Freude und Staunen zu erwecken! Das ist auch mein Ansatz mit dem Wasser. Ich erforsche seine Besonderheiten im zweckfreien Raum der Kunst.“

Ein Künstler als Wasserforscher, sein Atelier ein Labor? Das klingt nach einer romantischen  Geschichte des 19. Jahrhunderts. Oder nach trendigen Esoterik- und Feng Shui-Inszenierungen. Bis man dann durch die kleine Türe in den Schauraum neben der Werkstatt am Ufer der Fischa getreten ist und sich tatsächlich unglaubliches ereignet. Oder hat jemand je lautlos fallendes Wasser gesehen? Einen leuchtenden, vertikalen Strahl, der über eine Distanz von 1.60m in ein gefülltes Becken sticht, ohne zu spritzen, ohne ein Geräusch? Berührt man den dynamischen Zapfen, bricht sich die Strömung mit einem scharfen Zischen am Finger, grelles Licht blitzt auf, wie an der Spitze eines Schweißstabs und man zuckt zurück –Stille! Schon ist da wieder dieser ruhige, rasend fallende Wasserstab.

„Aqua Mystica“ nennt Zsambok dieses Wunder: “Das war eine Entdeckung während der Arbeit an etwas anderem. Ich hab den Pfropfen aus einem Becken gezogen, um das Wasser abzulassen. Plötzlich war das Fließgeräusch weg, das Wasser floss aber immer noch in  den Eimer. Zwar nur für ein paar Sekunden -ein flüchtiges Phänomen ausgeglichener Strömungskräfte- aber ich dachte mir, das muss doch dauernd gehen!“ Es vergingen viele Wochen mit dem Bau von Versuchsanordnungen und Tests –ohne Erfolg. „Ich war Tag für Tag nass und verschnupft, weil es so gespritzt hat, bis mir dann eines Abends, während einer schlechten Fernsehsendung der rettende Einfall gekommen ist.“ Diesem rettenden Einfall (und dem schlechten Fernsehprogramm) ist es zu verdanken,  dass viele tausend Menschen aller Altersgruppen in Museen Ausstellungen oder Wasserwelten angesichts eines alltäglichen Elements das Staunen gelernt haben.

Zsambok destilliert die Phänomene des Wassers aus Beobachtungen im Alltag und nennt dies den poetischen Blick: Der poetische Blick sucht  die  Schnittstelle zwischen Innen- und Außenwelt, wo sich die Natur mit unserem Wunsch nach Wesentlichkeit in Einklang bringen lässt, d.h. dass sich darin das Bedeutsame, und Faszinierende zeigt.
“Meine Skulpturen sind wie Gedichte: Indem sie flüchtigen Besonderheiten des Wassers Dauer verleihen, halten sie einen Moment lebendig. Mein Auftrag ist, die wunderbare Welt des Wassers und der Schwerkraft freizulegen. Das kann zum Beispiel im Auto, nach dem Besuch einer Waschstraße passieren, wenn sich für kurze Zeit, aber mit erstaunlicher Eleganz, ein Rest Wasser über die frisch gewachste Windschutzscheibe  schlängelt.“

Wer dann vor Zsamboks Wasserbildern steht, kann deren Ursprung an der Windschutzscheibe kaum nachvollziehen: Über samtig anmutende anthrazitfarbene Flächen, umrahmt von edlem Metall, schlängeln beleuchtete Wasserfäden. Sie erscheinen elastisch-körperlich, wie Quecksilber, wechseln ständig die Richtung, fließen, zeitweise der Schwerkraft trotzend, sogar bergauf.Es hat Jahre gedauert, die richtige Oberfläche dafür zu finden.

Und wie gelangt man zum Entschluss, eine neue Kunstgattung in die Welt zu setzen? „Das war kein Entschluss, es hat sich ereignet“, meint Zsambok, „1987. Ich war damals schon auf der Suche nach einer bestimmten Haltung zur Welt, versuchte aber schreibend dorthin zu gelangen.Während eines Ausflugs in den Wiener Wurstelprater bin ich zu einer Schießbude gekommen, in der Zelluloidbälle auf Wasserstrahlen tanzten. Man stelle sich vor: Ein Ball schwebt auf einem Wasserstrahl und fällt nicht herunter, er läuft am Strahl, will abwärts wie ein Yo Yo an der Schnur, kommt aber nie unten an. Dieses Schweben zwischen den Gegensätzen war paradox und zugleich symbolisch: Verweilen ist nur in dauernder Bewegung möglich!
Es ist wie das Reiten am Kamm der Welle, spüren, dass man den wesentlichen Punkt gefunden hat. Die Verlockung war, zu denken, dass es die richtige Stelle, die Balance am Knotenpunkt der Ereignisse, überall gibt- im Körperlichen, im Zwischenmenschlichen, im Gesellschaftlichen. Dieser schwebende Ball war mein Gleichnis. Da war es mit dem Schreiben vorbei, ich wollte etwas Konkretes machen. Bin hinter die Bude gekrochen um zu schauen, wie das geht, bin rausgeschmissen worden und habe zu arbeiten angefangen. Meine ersten Objekte waren Yin Yang-Maschinen, die das Phänomen des Balls am Wasserstrahl zeigen.“
Yin Yang-Maschinen, Strömungsphänomene –das klingt nach Physik und nicht nach Kunst, die man in Hotelfoyers, Wohnräume oder Gärten stellt, aber das Gegenteil ist der Fall: Gerhard Zsambok ist ein feinfühliger Designer, der seinen Wasserwundern eine Fassung gibt, die mit der jeweiligen Umgebung korrespondiert: Kleine und große Kostbarkeiten, voll Lebendigkeit und Anmut, Unikate, speziell für den Käufer und den jeweiligen Ort entwickelt.
Obwohl der Magier des Wassers die Zweckfreiheit seiner Kunst behauptet, finden seine weltweit einzigartigen Entwicklungen vielfältige Anwendung: Ob es sich nun um einen „fächelnden Luftbefeuchter“ handelt, der das Einreißen von Holzböden verhindert, um contemplative Wasserinstallationen für Wellnessoasen, um faszinierende Wasserbilder deretwegen der Fernseher ausgeschaltet bleibt, um publikumswirksame Wasserwelten, oder um Wasserkunst für Gärten, wie etwa Zizibeh, die entzückende Luxusvogelscheuche.
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